Fünf Julias. Coming-of-age Roman. ab 13J

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Ein packender Coming-of-Age Roman über fünf junge Frauen und soziale Medien. Mit Playlist.

Fünf Julias

ins Deutsche übersetzt von Petra Bös (nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020,  Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur - Buch des Monats Oktober 2019) 


Der Road-Trip von Rio de Janeiro nach São Paulo bildet den Rahmen für diesen humorvollen, klugen Coming-of-Age Roman, in dem endlich mal Mädchen die Hauptrolle spielen.


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Wusstet ihr, dass jede Minute weltweit 156 Millionen E-Mails versandt und 452. 000 Tweets abgesetzt werden? Kein Wunder, dass der 8. August unvergessen bleibt. Dieser grauenvolle Tag, an dem Hacker in die Datenbanken aller sozialen Netzwerke weltweit eindrangen, alle Mails und Messages öffentlich machten und diese von jedem gelesen werden konnten. Speziell dafür wurde ein Portal mit dem Namen uLeaked eingerichtet.

Julia, die auf diesem Weg von ihrer unheilbaren Krankheit erfährt, beschließt mit dem Fahrschulauto ihrer Mutter nach São Paulo zu ihrem Vater zu fahren. Bei strömendem Regen gabelt sie unterwegs vier Mädchen auf, die zufällig alle mit Vornamen Julia heißen. Jede mit ihrer, durch uLeaked öffentlich gewordenen, eigenen Geschichte, der sie entkommen will."

Der brasilianische Autor Matheus Souza, geboren 1988 in Brasilia, feierte seine ersten Erfolge als Drehbuchautor und Regisseur beim Film, Theater und Fernsehen. Als sein Spielfilm Apenas o fim (2008) mit dem Publikumspreis als bester Film auf dem Festival von Rio de Janeiro und auf dem São Paulo International Film Festival ausgezeichnet wurde, war er gerade einmal zwanzig Jahre alt.

Fünf Julias, Souzas erster Roman, profitiert von seiner Filmerfahrung. Mit Dynamik und Bildhaftigkeit entführt uns der Autor in ein Brasilien der Gegenwart. Die fünf Protagonistinnen stellen sich in jeweils eigenen Kapiteln vor, erzählen was sie bewegt, teilen ihre Gedanken und Ängste. Teilweise überschneiden sich die Kapitel und führen geschickt zu Perspektivwechseln. Matheus Souza hat fünf völlig unterschiedliche Persönlichkeiten mit jeweils individuellem Sprachstil geschaffen. Die Übersetzerin hat sich der besonderen Herausforderung gestellt, diese verschiedenen Stile, unter dem Überbegriff der Jugendsprache, in der Übersetzung authentisch umzusetzen.

In dem Roman werden Probleme, die Jugendliche beschäftigen, wie Minderwertigkeitskomplexe, Selbstmord, Rassismus, Depression, der Zwang möglichst viele Follower auf Instagram zu haben, sexuelle Orientierung – und natürlich auch der zentrale Punkt, der zu dem dystopischen Ausgangsplot inspiriert hat – die Abhängigkeit von den Sozialen Medien und der allzu sorglose Umgang damit, gekonnt thematisiert. Trotz dieser ernsten Themen verliert der Roman nie an Leichtigkeit, dank der unbekümmerten aber niemals oberflächlichen Darstellungsart kritischer Situationen und der zahlreichen subtil witzigen Details. 

 

Autor: Matheus Souza

Originaltitel: Cinco Júlias (2019)
Übersetzung aus dem Portugiesischen: Petra Bös
Lektorat: Anna Petri-Satter und Milena Bös, die auch die Playlist für das Buch zusammengestellt hat.
Umfang: 296 Seiten
Einband: Broschur
Format: 12 x 19 cm
Gewicht: 285g
deutsche Erstveröffentlichung: 2022 
ISBN: 978-3-949537-04-2
 

Die Arbeit der Übersetzerin Petra Bös am vorliegenden Text wurde vom Deutschen Übersetzerfonds gefördert im Rahmen des Programms „NEUSTART KULTUR“ aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. 


Rezension (16.11.2022) von Verena Wagner auf ihrem Blog MamiRocks


Stimmen unserer Leserinnen:

Meinung von Doris M.:
"Ich fand das Buch sehr erfrischend. An manchen Stellen habe ich herzhaft gelacht. Andere Stellen haben mich eher nachdenklich gestimmt.
Ob das Buch als "Buch für Erwachsene" durchgeht? Auf jeden Fall! Wobei ich schon zugeben muss, dass mir beim Lesen mein Alter deutlich bewusst wurde. Ich konnte mich mit den Protagonistinnen nicht identifizieren, sondern habe mich eher in einer beobachtenden Rolle wahrgenommen.
Meine Tochter fand das Buch sehr gut. Ihr hat vor allem gefallen, dass sie als Leserin immer wieder angesprochen wurde und sich so in die Geschichte integriert gefühlt hat. "

Und die Meinung ihrer Tochter:
"Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil die Erzählweise die Leserin so anspricht und irgendwie miteinbezieht. Ein weiterer Punkt, der für das Buch spricht, ist, dass es so kritisch geschrieben ist gegenüber den Sozialen Medien. Das mag ich sehr gerne bei Büchern. Am Anfang dachte ich, es wird schwer, die ganzen Julias auseinander zu halten, aber es ging erstaunlich gut." 


Empfehlung von Uscha Madeisky:

"Liebe Leserinnen,

während meiner Ferienzeit, die ich in diesem Jahr an der Küste Hollands verbrachte, las ich das brandneue Buch „Fünf Julias“.

Es ist im Magas Verlag erschienen und wird von diesem als Lektüre für Jugendliche empfohlen.

Tatsächlich handelt es sich bei den Protagonistinnen um fünf Mädchen, Schülerinnen, um die 17 Jahre alt, deren Leben, wie heutzutage üblich, vom digitalen weltweiten Netz und dessen sozialen Medien bestimmt wird.

Eines Tages gelingt es Hackern, die Datenbanken aller sozialer Netzwerke – wirklich aller – zu knacken und jeglichen Email-Verkehr so wie alle möglichen Chats, die bisher immer als privat und besonders „sicher“ galten, zu veröffentlichen. In einem eigens dafür errichteten Portal kann nun alle Welt mitlesen und durch Eingeben des Namens einer Person auch deren zurückliegende Korrespondenz verfolgen.

Es kommen Dinge ans Licht, die nicht dafür gedacht waren. Chaos und Verzweiflung entsteht. Folgenschwere persönliche Dramen brechen auch über die fünf Protagonistinnen herein. Im strömenden Regen, in der Nacht als alles ganz aussichtslos erscheint, begegnen die Mädchen, deren Charaktere uns bis dahin schon sehr nahegerückt sind, zufällig einander, zufällig auch tragen sie alle den Namen Julia.

Da sie nicht weiter wissen und der Ansicht sind, dass sie ohnehin nichts mehr zu verlieren haben, beschließen sie Fräundschaft*. Als ersten Fräundschaftsbeweis entledigenden sie sich ihrer Smartphones indem sie diese im Meer versenken. Nun sind sie auf sich selbst und ihren Fräundschaftspakt gestellt. Ihre Kenntnisse, ihre Sozialisation, die sie in erster Linie aus dem weltweiten Netz erhalten hatten, taugen nun nicht mehr viel. Die Story entwickelt sich rasant weiter. Davon möchte ich hier jedoch nichts verraten.

Was ich jedoch unbedingt mitteilen möchte, liebe Leserin: Ich bin nämlich in den Bann dieses Buches geraten. Ich finde es großartig. Wie wertvoll es mir ist bemerkte ich zum Beispiel daran: obwohl sehr spannend und originell geschrieben, konnte und wollte ich es nicht in einem Rutsch auslesen. Ich las genüsslich, dabei manchmal auflachend, zwischendrin aufgewühlt und dann wieder extrem nachdenklich und das über etliche Urlaubswochen hinweg.

Im meinem wirklichen Leben ist es mir nämlich bisher, trotz aller meiner Bemühungen, nicht annähernd gelungen, so viel über die Welt von Jugendlichen zu erfahren und in sie einzutauchen, wie bei der Lektüre dieses Buches.

Ich bin also nach den Wochen, die ich mit den 5 Julias in meiner Ferienzeit leben durfte, der festen Auffassung, dass dieses Buch ein Buch für Erwachsene ist. Der Autor Matheus Souza, Brasilianer, hat zuvor Drehbücher geschrieben. Vielleicht gelang es ihm deshalb so gut herauszustellen, wie stark die emotionale und seelische Erlebniswelt aller Handelnden durch den Medienkonsum bestimmt wird. Keine in echt erlebte emotionale Begebenheit, sei es in Verliebtheit oder in Schmerz, die nicht bereits schon durch Hollywoodfilme, Netflixserien oder Songs dargestellt oder ausgedrückt worden wäre. Die Handelnden leben damit, dass alles, was ihnen im wirklichen Leben widerfährt, schon in ähnlicher Weise über zweidimensionale Szenerien vorweg genommen wurde. Sie haben all die Szenen aus den Medien stets präsent, nehmen sie sogar dafür her, um für das eigene Erleben gerüstet zu sein. Und wenn ihnen Schmerzliches widerfahren ist muss auch ein Serien-Konsum-Marathon dafür herhalten, um es zu verarbeiten oder genauer gesagt, um davon abzulenken.

Noch von meinem Ferienort aus rief ich die Verlegerin an, um ihr mitzuteilen, dass ich meine, das Buch wäre für Erwachsene gut. Sie schickte mir einige Exemplare, die ich gerne verteile.

In Fräude*!

Uscha Madeisky

* Wir schreiben Fräude und Fräundschaft mit „ä“ weil es vom Wort „Frau“ stammt."

Maha Sch. schreibt:
"Nach ein paar Seiten legte ich das Buch erst mal weg auf den Stapel: Später. Mal wieder ein
todkrankes Mädchen und mal wieder das Thema: Jugendliche sucht ihren Vater. Geht es nicht mal ohne Drama und kann nicht auch mal eine Mutter vermisst werden? Als ich dann doch weiterlas, konnte ich nicht mehr aufhören. Jede Einzelne der fünf Julias wird in ihren Jugendspleens so lebensecht beschrieben, dass es mich wirklich auch hineinzog in die spannende Geschichte. Am schönsten fand ich aber, dass die fünf Mädchen durchgehend zueinander halten, dass sie sich bestärken und sich einander ihre wahren Gesichter zeigen. Endlich mal das Gegenteil von „Zickenkrieg“, welch übles Wort, das ich in meiner Zeit als Lehrerin allzuoft hören musste. Die fünf Julias stellen sich gemeinsam gegen die Erwartungen, die von Eltern, Gesellschaft und Medien an sie herangetragen werden. Sie führen ehrliche Gespräche, sie haben Spaß zusammen. Und eine große Wohltat auch, dass sie eben nicht miteinander in Konkurrenz treten, wie sonst in zahllosen Serien, sondern wirklich eine Gang werden.
Eine sehr bestärkende Geschichte, gegen die üblichen Klischees gebürstet. Mehr davon! Und
unbedingt auch als Schullektüre empfehlenswert."

Feedback von Kirstin K.:
"Die Einführung der fünf jungen Frauen wirkte zunächst sehr cineastisch auf mich. Hinzu kam der Eindruck, dass zu viele Themen, schnell in den "Ring" geworfen wurden: Tödliche Krankheit, Rassismus, Essstörungen, Depression, lesbische Liebesbeziehungen, emotionale Manipulationen, soziale Ausgrenzung,... 

 Schnell entfaltete sich dann jedoch der Eindruck, dass diese oberflächliche Charakterzeichnungen, genau zu dem Thema des Buches passen und direkt auf den ersten großen Break-Point zusteuert: "Dem virtuellen Gau und der Katerstimmung danach" und alles was sich daraus entwickeln wird. Der Autor schlüpft mit Dialogen und gedanklichen Passagen in die Ich-Erzähler Perspektive der einzelnen Charaktere und so werden wir jetzt sehr nah mitgenommen auf die "Heldinnen-Reise" der Julias.

Die gehackte Social Media-Plattform ist für alle fünf der Abgrund, der Scheideweg und die Chance zur Veränderung, wie wir bis zum Schluss erfahren werden. Um die Charaktere besser zu erspüren, würde es sicher helfen, die vielen musikalischen Bezüge, die der Autor oft den Kapiteln voranstellt zu hören. Ohne dies blieb der mittlere Teil des Buches für mich vor allem handlungsseitig interessant (neue Erfahrungen werden gemacht, psychologische  Zusammenhänge werden erkannt/sichtbar). 

Nach diesen Erfahrungen entfaltet sich für alle fünf Julias Erkenntnis und hier beginnt für mich der stärkste Teil des Buches mit den Aussagen zu: 

 - Eigener Meinungsbildung - Richtig-Falsch... 

- Jeder Mensch ein Künstler ("Schreiben ist wie eine Umarmung mit Worten") 

- Mut 

- Vertrauen 

- Gefühle erkennen/annehmen 

- Sich von klugen, gebildeten Frauen leiten lassen 

- Missbrauch von Feminismus ("starke Frauen in Serien- sexistisch dargestellt...") 

- die Generationenfrage (ganz großartig in dem Brief der Mutter dargestellt...) 

UND 

"Der Kapitalismus hat die Tendenz, sich alle wichtigen Ideen anzueignen, Ihnen die Substanz zu nehmen und sie in Produkte des Konsums zu verwandeln" - Musste dabei direkt an den neue Werbeslogan von Aldi denken "Gutes Leben für Alle". 

 Auf die Erkenntnis erfolgt der nächste Break-Point "Der Verrat" und die Trennung mit der Rückkehr in ihre eigenen Geschichten/Lebensräume/Beziehungen. Es stellt sich die Frage, ob die gewonnene Erkenntnis scheitert und die Versuchung in alte "Muster" zu verfallen größer sein wird. 

 Doch jede Julia hat sich unumkehrbar verändert 

Das Buch endet mit dem Apell "Alles wird gut" und habt "Vertrauen in die Zukunft" und schließt damit sehr hoffnungsvoll den Erzählkreis um die anfänglichen gestellten Probleme und Fragen. 

 Die Ausleuchtung um die Mechanismen und Auswirkungen der virtuellen Kanäle ist mir persönlich zu dünn und zu polarisiert zwischen "das Virtuelle" und das "Konkrete". Hier braucht es  in Büchern und Filmen auch Role Models, die mit in die Verantwortung gehen, Technik und digitale Produkte sinnvoll zu nutzen, aktiv mitzugestalten und auf die Ziele und Sinnhaftigkeiten zu prüfen. 

 Ansonsten finde ich das Buch rundum großartig und hoffe, dass es viele Leserinnen findet. 

Es hat mich an den Film Wunderschön der deutschen Regisseurin und Filmschauspielerin Karoline Herfurth erinnert." 


Bettina K. schreibt:
"Es ist ein rasant geschriebener Roman, der sich mit den Herausforderungen der Jugendlichen im Zeitalter von Social Media befasst. Die Vorstellung des Hackerangriffs ist sicher der Albtraum vieler Jugendlicher - aber auch bestimmt vieler Erwachsener. 
Leider konnte mich das Buch aber nicht wirklich packen und überzeugen. Es wirkt auf mich zu konstruiert. Schon im Prolog wird der Leserschaft eine der Botschaften auf dem Silbertablett präsentiert. Einige Aussagen der Julias wirkten auf mich unglaubwürdig, z.B. auf Seite 208: „ (…) Der Kapitalismus hat die Tendenz, sich alle wichtigen Ideen anzueignen, ihnen dann die Substanz zu nehmen und sie in ein Produkt des Konsums zu verwandeln.“ Vielfach ist mir die Sprache zu derb, weshalb ich auch die Altersempfehlung für nicht geeignet halte. Die Idee des Autors, alle fünf Protagonist:innen Julia zu nennen, hat meinen Lesefluss irgendwann gestört. 
Dennoch möchte ich bemerken, dass Matheus Souza schreiben kann, z.B. was die Figurenzeichnung und die Dialoge angeht."

Stephanie L. äußert sich folgendermaßen:
"Meine Rückmeldung hat nun ganz schön lange gedauert. Und ich war mir lange Zeit gar nicht im Klaren, ob ich das Buch wirklich weiterlesen will. Wenn ich dir kein Feedback versprochen hätte, hätte ich wohl nicht durchgehalten. 

Vermutlich lag es gar nicht am Buch sondern daran, dass ich Pubertät noch nie mochte. Als Kind, noch lange bevor ich wusste, was das ist, hatte ich Angst vor diesen Wesen, die mir höchst gemein, im Sinne von überheblich und verletzend erschienen. Selbst im pubertären Alter angekommen wurde es nicht besser. Ich hielt Abstand. Auch wenn ich Anerkennung der Peers sehr vermisste. Es gab eine gewisse Ambivalenz, doch nun irgendwie gern dazu gehören zu wollen. Später und mit einer pädagogischen Ausbildung ausgerüstet wurde mir schnell klar, dass ich sinnvollerweise nicht mit Menschen diesen Alters arbeiten sollte - zum beiderseitigen Nutzen. 

So arbeitete ich mich also durch die ersten 116 Seiten des Buches mit der ständigen Überlegung, ob es nicht ehrlicher sei, es an dich zurück zu schicken. Und dass ich die fünf Julias inhaltlich einfach nicht auseinander halten konnte, machte die Sache nicht besser. 
Auf Seite 117 packte das Buch mich dann. Als Julia den anderen Mädchen einen Pakt vorschlägt: „… Ab heute werden wir unser Glück nur noch von uns selbst abhängig machen. Außerdem werden wir den Wert guter Freundinnen zu schätzen wissen, weil das Leben allein blöd ist. Eine wird die andere stärken. Eine wird die andere auffangen, wenn sie fällt. Eine wird mit der anderen hinfallen, wenn es ihr schwerfällt sich aufzurichten, und weil es manchmal gut tut, einfach liegen zu bleiben …“ Hier konnte ich so etwas wie die Geburtsstunde weiblicher Solidarität unter den Fünfen erkennen. Und die Bereitschaft Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, sehe ich ohnehin als einzige Möglichkeit, mein Leben in meinem Sinn zu gestalten. Ich war also plötzlich neugierig geworden. 

Für mich ist dies der Wendepunkt des Buches, an dem aus fünf chaotischen, nervigen Leben etwas gemeinsames entsteht. Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und Sich-Aufeinander-einlassen, um sich in einer komplizierten, schwer händelbaren Welt zu unterstützen und sich zurechtzufinden. Das Faszinierende ist für mich, dass hier gleichsam eine Blaupause entsteht, eine Kopiervorlage oder einfach eine geniale Idee, die jede imitieren und ausprobieren und mit ihren Freundinnen experimentieren kann. „Was ist davon wahr und brauchbar für mein Leben?“ Die Stelle macht Mut, im eigenen Leben etwas auszuprobieren, einen Schritt Richtung Gemeinschaft und Verantwortung zu riskieren. 

Mit diesem Einstieg konnte ich nun auch die Themen würdigen, die im Laufe des Buches noch angesprochen wurden. Da waren die Gedanken um Angst und um Depression oder Nicht-Depression und die ewig in allen Leben auftauchende Frage „Was ist normal?“ Die Zweifel, nicht gut genug zu sein, nicht nett genug, nicht attraktiv genug, zu dick, zu gemein, zu … All‘ diese Gedanken, die einer in der Pubertät das letzte Fünkchen Selbstvertrauen rauben können. Oder das Dilemma, sich aus Angst vor der Welt zu verstecken und sich doch ausdrücken zu wollen. Wie kann ich mich ausdrücken, ohne mich auszusetzen, mich verletzbar zu machen? Geht das überhaupt? Oder wie gehe ich damit um, wenn ich mich geöffnet habe und die andere sich wieder ein Stück distanziert? Hier beschreibt das Buch m.E. sehr realistisch, dass nach einer großen Nähe auch sehr plötzlich eine große Distanz entstehen kann. 

Interessant finde ich auch die Stelle, an der der Autor beschreibt, wie Medien das Thema Feminismus für ihr Zwecke als Werbung missbrauchen. Selbst auch ein Mann ist es für ihn dennoch ein fragwürdiges Vorgehen, wenn Männer Fernseh-/Netflix-Serien für Frauen schreiben und diese dann mit dem Label „feministisch“ bewerben. Ein wundervoller Koan und ein anregendes Knobelspiel für Freundinnen. 

Insgesamt bin ich froh, das Buch zu Ende gelesen zu haben. Ich finde es so gut, dass ich es gern an junge Mädchen bzw. Frauen weitergeben möchte. Durch die fünf verschiedenen Leben wird eine breite Palette an Lebensentwürfen abgebildet, was die Identifikation leichter macht. Und es gibt Lösungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, selbst das eine oder andere auszuprobieren. 

Liebe Gerit, du kannst für deine Website oder andere Zwecke gern Passagen meiner Rückmeldung nutzen und andere, die dir ungeeignet erscheinen, herausnehmen. Verfahre so, wie es dir sinnvoll erscheint. 

Ich wünsche Dir und deinem Verlag viel Erfolg und frohe Stunden des Schaffens und der Regeneration. 

Ganz herzliche Grüße 

Stephanie"
(wer bis hierhin gelesen hat, diese Person google bitte auch das Wort "Koan" - sofern sie es noch nicht kennt)

Gabriela:
"ich habe mich mit den 5  Julias bekannt gemacht und mit Spannung das Buch sowie das Interview mit dem Autor am Ende gelesen.

Schon interessant, dass Matheus Souza Protagonistinnen wählt, um seine Geschichte zu erzählen, vielleicht weil er mit Mutter und Großmutter aufgewachsen ist. Auf jedenfalls sehr erfrischend von starken und zugleich sensiblen jungen Frauen und ihrem Leben zu lesen.

In der Tat ist es spannend einen Einblick in die Welt der Jugendlichen, insbesondere dieser jungen Frauen, zu bekommen. Die immer stärker werdende Abhängigkeit, der immense Druck von dem was von außen an sie/uns herangetragen wird, in Form von den mannigfaltigen Vorgaben wie Frau angeblich liebenswert ist, zu spüren. Durch die moderneren Medien gibt es keinen Rückzugsort mehr, es sei denn, das mobile Endgerät bleibt offline.

Ich nehme den ungeheueren Zwang wahr, welchen die sozialen Medien mit sich bringen, der junge Personen formen möchte und sie sehr verletzlich machen kann (auch erwachsene Personen, wenn sie nicht in sich gefestigt sind).

Umso freudiger und bewundernswerter, mitzuerleben wie die fünf jungen Frauen es schaffen, den Weg zueinander zu finden, in ihrer Diversität mit ihren zum Schmunzeln anregenden Charakteren. 

Wunderbar das Abenteuer ihrer Reise und das Ausprobieren ohne Endgeräte zurechtzukommen ... surprise, surprise ... es geht tatsächlich.

Es ist ein ermutigendes Buch, da es kostbar zu erleben ist, wie Beziehungen die jungen Frauen/uns tragen, gerade in Krisen und durch Schmerzen. Welch wunderbare Erlebnisse sich sich zeigen, wenn Frau sich auf etwas Unbekanntes, Ungewöhnliches und auf die andere einlässt.

Wie weise die Mutter von Julia 5 diese heranwachsende Generation beschreibt und welches Potential sie mit sich bringt.

Da sehe ich uns Elders (denn dazu gehöre ich inzwischen) in der Rolle den Raum zu halten für die nach uns Kommenden. Sie mit ihren Begabungen zu feiern und ihnen einen sicheren Hafen zu bieten, wo die sogenannten Analogen und Alten Weisen gewahrt, gehütet und mit den digitalen, neuen verwebt werden. Dieses zu vollbringen mit Courage, Weisheit, Mitgefühl, Sanftmut und tiefer Achtsamkeit für alle, inklusive den Mehr Als Menschlichen Wesen, ist eine Berufung und wichtige Aufgabe.

Letztendlich sind es Beziehungen, die uns nähren, stärken, trösten und durch Fräude und Schmerz tragen. Wir möchten und brauchen es, berührt zu werden und gemeinsam zu atmen. Das ist auch in dem Buch spürbar und erkenntlich, wie sich die Frauen durch das Einlassen aufeinander verändern.

Bin gespannt zu erfahren, wie es den anderen Lesenden ergangen ist und mit welcher Julia sie gerne eng befräunded sein möchten (alle sind auf ihre Art liebenswert und interessant). "