Warum Stillen politisch ist

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Über die komplexen Kräfte und Motive, die hinter unserer scheinbar individuellen Entscheidung stehen, ob wir stillen oder nicht.

Warum Stillen politisch ist

In diesem Buch fasst die Autorin die zentralen Ideen ihres Bestsellers "The politics of breastfeeding"  (1988) zusammen. Sie liefert damit einen eindrucksvollen Einblick in die komplexen Kräfte und Motive, die hinter unserer scheinbar individuellen Entscheidung, ob wir stillen oder nicht, stehen.

"Von Zeit zu Zeit treffe ich auf Leute, die sagen: „Ach ja, der Nestlé-Boykott. Meine Mutter hat das gemacht, sie wollte damals keinen Néscafe im Haus haben oder mich deren Schokolade essen lassen. Diese Firma hat armen Müttern Milchpulver aufgedrängt, nicht wahr und sie haben es mit schmutzigem Wasser vermischt und die Babys sind gestorben. Das war schrecklich, nicht wahr?“

Manche Leute gehen davon aus, dass das „Problem mit der Säuglingsnahrung“ durch den Nestlé-Boykott gelöst wurde. Doch die skrupellose und unethische Vermarktung von Babymilch findet immer noch statt, und sie ist heute weitaus raffinierter als zur Zeit der „Milchschwestern“. Sie verführt und manipuliert Gesundheitsfachleute und ihre Institutionen, Politiker:innen und einige der Hilfsorganisationen. Bestenfalls ist es so, dass die Macht der Konzerne und ihr finanzieller Einfluss die integren Bemühungen schwächen. Im schlimmsten Fall aber beeinflusst sie die Sphären der Politik und des politischen Handelns zu ihrem Vorteil! Trotz der Jahrzehnte mit Schäden und Skandalen investieren die Unternehmen immer noch Millionen in das Marketing und die Werbung für Säuglingsnahrung. Alle Gelder, die von den Firmen für die Verbreitung von Informationen über ihre Produkte ausgegeben werden, sollten nicht für Werbung Verwendung finden, sie sollten vielmehr direkt an das medizinische Fachpersonal fließen." 

"1992 motivierte der Start der UNICEF-Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“ die Regierung dazu, ein Gesetz zum Stillen und Rooming-in einzuführen. Es ist schon erstaunlich, dass man überhaupt ein Gesetz braucht, um zu verhindern, dass Mütter und Babys bei der Geburt getrennt werden! Doch war die Industrie mit diesem Gesetz nicht einverstanden." 

„Gleichberechtigung für Frauen macht eine Veränderung in der menschlichen Psyche notwendig. Dies bedeutet, dass wir die Elternschaft genauso wertschätzen müssen wie das Bankgeschäft.“

Polly Toynbee

„Die Diskussion darüber, ob Muttermilch die ideale Säuglingsnahrung ist oder nicht, ist so, als würde man fragen, ob die Nieren das ideale Mittel sind, um Abfallstoffe aus dem Körper zu entfernen, und dann vorschlagen, dass Dialysegeräte die menschlichen Nieren ersetzen sollten! Menschliche Muttermilch ist darum so umstritten, weil sie ein hochgeschätztes Produkt ist, das von der Familie für den Konsum innerhalb der Familie produziert wird und – zumindest bis heute – der kapitalistischen Marktkontrolle völlig entzogen ist. Die Produktion für den Eigenbedarf steht im Widerspruch zu den Bedürfnissen des Kapitals. Denn dieses muss, um effektiv zu sein, so viele Waren auf den Markt bringen, wie es für die Menschen notwendig oder von ihnen „gewünscht“ ist. Ohne eine Warenproduktion und -verteilung über den Markt gibt es keine Mehrwertschöpfung, d. h. es gibt dann keinen Profit.“


Gabrielle Palmer 

ist Ernährungswissenschaftlerin und Autorin. In den 70ern war sie Sillberaterin und hat in England den Interessenverband „Baby Milk Action“ (International Baby Food Action IBFAN) mitgegründet. In den frühen 80ern lebte und arbeitete sie ehrenamtlich in Mozambik. Über die Ernährung von Babys hat sie geschrieben, gelehrt und gekämpft, insbesondere gegen die unethische Vermarktung von Säuglingsnahrung. In den 90ern hat sie diverse „Train the trainer“-Kurse zum Thema Stillen für die WHO/UNICEF mitgestaltet, bis sie nach China ging, wo sie zwei Jahre lang lebte. 1999 wurde sie von UNICEF zur „HIV and Infant Feeding Officer“ ernannt. Als unabhängige Beraterin hat sie für diverse Gesundheits- und Entwicklungsorganisationen gearbeitet. Von 2001 bis 2007 arbeitete sie als Dozentin an der „London School of Hygiene and Tropical Medicine“, wo sie selbst Ernährungswissenschaft studiert hatte. Sie hat Trainingskurse für Gesundheitsfachkräfte in über 46 Ländern erarbeitet und durchgeführt, auch in der Mongolei, Libyen und Nordkorea. Sie ist Mutter und Großmutter und hat drei Bücher geschrieben, darunter das wegweisende Werk „The politics of breastfeeding“, ein Bestseller seit 2009. 

Autorin: Gabrielle Palmer

Originaltitel: Why the politics of breastfeeding matter, 2016
Deutsche Übersetzung: Ingeborg Hagedorn 
Lektorat: Anna Petri-Satter 
Titelbild: Gudrun Marth 
Umfang: 162 Seiten
Einband: Broschur
Format: 17 x 11 cm
Gewicht: 140g
Lesealter: ab ca. 15 Jahren
deutsche Erstveröffentlichung: 2022 
ISBN:  978-3-949537-00-4

ERRATUM
auf Seite 10 im Buch steht, dass Utta Reich-Schottky "Fellow und Vorstandsmitglied Academy of Breastfeeding Medicine" und "Mitglied der Nationalen Stillkommission" sei. Das ist ein Fehler, der dem Verlag unterlaufen ist und für den sich der Verlag entschuldigt.

Rezension (7.11.2022) zum Buch im Blog "Ich gebäre" von Katharina Tolle

Rezension (26.6.2022) von Ernährungsberaterin Vanessa End (aka "Schmackofratz")


Rezension
Gabrielle Palmer beschreibt in ihrem Buch “Warum Stillen politisch ist”, wie das Stillen, das seit Anbeginn der Menschheit ein bewährtes und erfolgreiches System der Ernährung von Babys war, seit dem 18. Jahrhundert durch medizinische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Faktoren zunehmend unterhöhlt wurde - und noch immer wird. Sie zeigt auf, dass noch heute insbesondere wirtschaftliche Interessen ursächlich dafür sind, dass das Stillen nicht gefördert, sondern systematisch sabotiert wird - ungeachtet der bekannten schädlichen Auswirkungen auf die Menschheit. 

Die Verfasserin nimmt die Leser:innen mit auf eine Reise durch die Geschichte und beschreibt, wie die Einmischung durch die männliche Medizin das Stillen als weibliche Kompetenz in Frage stellte. Durch diese Einmischung wurde das natürliche Regelsystem von Angebot und Nachfrage mit der Zeit derartig gestört, dass das Problem von “zu wenig Milch” erschaffen wurde. Dabei bleibt Palmer stets wertschätzend allen Müttern gegenüber, die aufgrund ihrer Situation auf Ersatznahrung zurückgreifen. 

Die folgenden Kapitel beschreiben die Entwicklung, die einsetzte, als der Markt für Ersatznahrung als “Lösung des Problems” geboren wurde. Palmer zeigt auf, dass die Risiken des Nicht-Stillens seit langem gut erforscht sowie allen beteiligten Parteien aus Medizin, Politik und Wirtschaft bekannt sind. Sie beschreibt weiter, wie trotz intensiver Bemühungen einzelner Personen und Verbände auch nach der Unterzeichnung des “Kodex” das Stillen durch Marketing sowie Einflussnahme der Wirtschaft auf die Politik nachhaltig gestört und die zum Teil fatalen Konsequenzen billigend in Kauf genommen werden.  

Beim Lesen dieses Buches wird unübersehbar, dass Stillförderung nur dann nachhaltig wirken kann, wenn das Stillen über den privaten Raum hinaus in seiner umfassenden Bedeutung für Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft anerkannt wird und gleichzeitig die Politik - auch gegen den Einfluss und das wirtschaftliche Interesse einzelner Wirtschaftszweige und Konzerne - Maßnahmen ergreift, um die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen aller Menschen zu schützen. Wie Palmer treffend zusammenfasst, beeinflusst das Stillen die drei großen Themen unserer Zeit - Massen­migration, Antibiotikaresistenz und Klimawandel.

Für Mütter und alle Personen, die Mütter beim Stillen begleiten und unterstützen, bietet dieses Buch viele “Aha-Momente” in Bezug auf noch immer kursierende stillschädliche Vorschriften und Ratschläge. Außerdem stärkt es Frauen in dem Bewusstsein, dass Stillen - auch über den persönlichen Nutzen hinaus - ein wertvoller Beitrag für die Gesellschaft ist. 
 Fachleute aus Medizin, Geburtshilfe und Stillberatung finden weiterhin eine übersichtliche Darstellung von Zusammenhängen und Wirkmechanismen auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene sowie mögliche Handlungsoptionen, die sich daraus für die Stillförderung ergeben. 

Christiane Stange, La Leche Liga Deutschland e.V. 



Meinungen von Leserinnen:


Charlotte F. (Autorin):

"So verständlich und locker geschrieben, dass ich es an einem Abend durchlesen konnte. Gleichzeitig enthält es so viele Fakten und Referenzen, dass es als Einstiegsliteratur für eine Doktorarbeit dienen könnte. Eine klare Leseempfehlung." 

Jana N. (Stillbegleiterin): 

"Dieses Buch sollte jeder gelesen haben. Egal ob werdende Mutter/Vater, Kinderarzt, Hebamme oder Schwiegermutter. Und insbesondere jeder Politiker! Diese Informationssammlung ist gesellschaftlich relevant für alle. Gabrielle Palmer beleuchtet das Thema Stillen von allen Seiten und Zeiten. Angefangen von den ersten ärztlichen (Fehl-)Empfehlungen bis hin zu modernen Werbemaschen und Konzerngier. 

Ich konnte das Buch teilweise kaum beiseite legen, weil es mich gefesselt hat wie ein spannender Krimi. Und gleichzeitig weine ich um jedes Baby, das in einem Slum wohnt und aufgrund von Geldgier von Konzernen nicht mehr gestillt wird. 

Ich sitze hier in meinem warmen Wohnzimmer mit fließend sauberen Wasser und einem gesicherten Einkommen und schäme mich, Mensch zu sein. In Entwicklungsländern wird Müttern das Stillen von Konzernen ausgeredet und das allerletzte von ihrem geringen Einkommen aus der Tasche gezogen und sie riskieren somit unwissend die Gesundheit ihrer Kinder. Stillen könnte hier so heilsam sein. Bitte lest das Buch und gebt es jedem weiter, der lesen kann und den anderen erzählt ihr davon!"

Shirin E. (Data Scientist und Stillbegleiterin):

Dieses Jahr ist die deutsche Fassung des englischen Originals „Why the politics of breastfeeding matter“ erschienen und ich würde es allen werdenden Eltern und Großeltern empfehlen! Aber auch jedem, der sich für Kinder, Gesundheit oder Nachhaltigkeit in Gesellschaft und Politik interessiert. Es ist kompakt geschrieben und gibt einen eindrucksvollen Überblick darüber, wie sich die Sicht auf das Stillen durch die unethische Vermarktung von künstlicher Säuglingsnahrung verändert hat. Gabrielle Palmer beschreibt auf deutliche und schockierende Weise, wie Mütter auf der ganzen Welt von der Babynahrungsindustrie in der Entscheidung, wie sie ihre Kinder ernähren, beeinflusst werden. Mit teilweise schlimmen Konsequenzen. 

Deutschland gilt im internationalen Vergleich als stillunfreundliches Land. Obwohl 97% aller Schwangeren vorhaben zu stillen und die allermeisten es nach der Geburt auch beginnen, sinkt die Stillrate in den ersten 4-12 Lebensmonaten deutlich. Trotz der WHO Empfehlung 6 Monate voll zu stillen und danach neben geeigneter Beikost bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus zu stillen, werden Kinder in Deutschland im Schnitt nur 7 Monate lang gestillt [1]. Warum ist das so? 

Dieses Buch öffnet uns die Augen, wieso es hier so weit verbreitet ist, dass Mütter glauben (oder glauben gemacht werden), dass Stillen kompliziert ist und sie dabei leicht „versagen“ können. Warum es ihnen oft an Unterstützung und familiären oder gesellschaftlichen Vorbildern fehlt. Und warum Muttermilchersatz eben genau das ist: ein Ersatz, wenn Muttermilch wirklich keine Option ist aber keine gleichwertige oder gar bessere Alternative, die leichtfertig und ohne Konsequenzen gegeben werden kann! 

Sicherlich ist das Stillen kein Selbstläufer und muss erlernt werden. Aber die Lösung bei Problemen sollte nicht sein, dass sofort und ohne medizinischer Indikation zur Pre-Flasche gegriffen wird! Eine gute Stillvorbereitung kann den Stillstart häufig sehr erleichtern. Und sollten Still-Probleme auftauchen, können diese in vielen Fällen mit der Hilfe von Hebammen und/oder Stillberater:innen behoben werden. 

Denn - auch das macht das Buch deutlich - Stillen ist das beste für die Gesundheit von Mutter und Kind! Kurz-, sowie langfristig und egal, wo auf der Welt ihr lebt. Auch gesamtgesellschaftlich hätte eine höhere Stillrate durchaus viele positive Effekte [2]. 

  

[1] http://stillstudien.de/suse/
[2] https://www.stillen-institut.com/de/bedeutung-des-stillens.html 

Susanne Sch. (Mother Hood e.V.):

Stillen ist politisch?
Ja. Ja! Natürlich ist Stillen politisch!
-Was haben Nestlé, der Chemiker Louis Pasteur, Dr. William Cadogan, die WHO und die UN-Lebensmittelregulierungsbehörde miteinander zu tun?
-Und warum halten sich so hartnäckig die gängigen Mythen, wie „alle 4h muss reichen“, „wenn dein Baby abends stündlich trinken will, ist die Milch zu dünn“ usw. usf.?
-Und welche Macht haben Worte? Welche Macht haben Bilder?
-Welche Rolle spielt die Werbung? Welche Rolle die Medien?
-Und was hat das alles mit Gleichberechtigung, Frauenrechte und Bildung zu tun?
-Was ist der Kodex?
-Wer oder was ist IBFAN?
Antworten auf all diese Fragen und noch viel mehr, gibt es von Gabrielle Palmer. 
Endlich gibt es vom Magas Verlag eine Übersetzung aus ihrem englischen Buch:
"Warum Stillen politisch ist"
Natürlich kenne ich als Stillberaterin viele Hintergründe und Zusammenhänge, aber auch ich habe ganz viel aus diesem sehr gut lesbaren Buch mitnehmen können. 
Für mich steht fest, das ist Pflichtlektüre!
Für werdende Eltern, Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Fachpersonal, egal ob Hebamme, Arzt oder Ärztin, Kita-Personal oder auch einfach die Personen in der Politik, die Entscheidungen treffen, die das Gesundheitssystem betreffen oder die Nahrungsmittelindustrie.