DVD: #FemalePleasure

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Dokumentarfilm über fünf mutige, kluge und selbstbestimmte Frauen. 

Film: #FemalePleasure

Der Film ist ein Plädoyer für das Recht auf Selbstbestimmung und gegen die Dämonisierung der weiblichen Lust durch Religion und gesellschaftliche Restriktionen.

Fünf mutige, kluge und selbstbestimmte Frauen stehen im Zentrum von Barbara Millers Dokumentarfilm. Sie brechen das Tabu des Schweigens und der Scham, das ihnen die Gesellschaft oder ihre religiösen Gemeinschaften mit ihren archaischpatriarchalen Strukturen auferlegen. Mit einer unfassbar positiven Energie und aller Kraft setzen sich Deborah Feldman, Leyla Hussein, Rokudenashiko, Doris Wagner und Vithika Yadav für sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung aller Frauen ein, über jedwede gesellschaftliche sowie religiöse Normen und Schranken hinweg. Dafür zahlen sie einen hohen Preis – sie werden öffentlich diffamiert, verfolgt und bedroht, von ihrem ehemaligen Umfeld werden sie verstoßen und von Religionsführern und fanatischen Gläubigen sogar mit dem Tod bedroht.

B A R B A R A M I L L E R (Buch & Regie)
Geboren 1970 in Zürich, Schweiz. Jurastudium mit Lizenziat und Grundstudium in Filmwissenschaft,
Philosophie und Psychologie an der Universität Zürich. Als Regieassistentin und Schnitt-Assistentin
arbeitete sie zwei Jahre für Christian Frei am Dokumentarfilm „War Photographer“. Seit 2001
freischaffende Dokumentarfilmerin.
FILMOGRAPHIE (Auswahl)
- 2018 #FEMALE PLEASURE (Kino-Dokumentarfilm, 97min)
- 2016 PHILIPP GURT – VOM SCHATTENKIND ZUM ERFOLGSAUTOR
- 2012 FORBIDDEN VOICES (Kino-Dokumentarfilm, 96min)
- 2009 DER VIRTUELLE SEITENSPRUNG
SCHLEUDERTRAUMA - LICHT AM ENDE DES TUNNELS
- 2008 SEX IM INTERNET – KINDER SCHAUEN PORNOS, ELTERN SCHAUEN WEG
- 2007 SCHEIDUNGSMÜTTER
- 2006 JUGENDGEWALT – MASSIV AGRESSIV UND DER FRUST DANACH
- 2005 HÄUSLICHE GEWALT – WENN DIE FAMILIE ZUR HÖLLE WIRD
KLITORIS – DIE SCHÖNE UNBEKANNTE
- 2004 BLINDE KUH – WENN SEHENDE BLIND UND BLINDE SEHEND WERDEN
- 2003 ELISABETH KOPP – AUFSTIEG UND FALL DER ERSTEN BUNDESRÄTIN
VOLLFETT – ABNEHMEN UM JEDEN PREIS?
- 2002 DIE GIPFELSTÜRMER – UNTERWEGS MIT SCHWEIZER
GLOBALISIERUNGSGEGNERN

 

Regisseurin:  Barbara Miller 

Filmdauer: ca. 97 min.
FSK: ab 12 Jahren
Erstveröffentlicht: 2018

V O R    D E R    K A M E R A:

Deborah Feldman
Weibliche Rebellion gegen das ultra-orthodoxe Judentum

Deborah Feldman wuchs in einer ultraorthodoxen jüdischen Familie im New Yorker Quartier Williamsburg auf. Die absolute Hingabe an Gott, Gehorsam, Schuld und Strafe prägten jeden Lebensbereich von Deborahs Kindheit. Ihr Leben spielte sich ausschließlich in Williamsburg ab: Männer mit schwarzen Mänteln, Hüten, Bärten und Schläfenlocken und Frauen mit dunklen Röcken, Blusen und Perücken, die ihren kahlrasierten Kopf bedecken, prägen dort das Straßenbild. Der führende Rabbiner sorgt dafür, dass die Vorschriften und Gebote immer strenger werden. In der
gemeindeeigenen religiösen Schule wird ausschließlich auf Jiddisch unterrichtet. Das weltliche New York lag für Deborah auf einem fernen Stern, obwohl die Lichter der Stadt gleich auf der anderen Seite des Flusses leuchteten. Deborah fühlte sich schon als Kind fehl am Platz. Sie hatte oft das Gefühl, all den Ansprüchen und Vorschriften niemals genügen zu können und sehnte sich nach jemandem, der ihre Ängste und Nöte verstand. Sie fand dieses Verständnis in den verbotenen englischen Büchern, die sie heimlich zu lesen begann. In dieser ihr bis dahin unbekannten Welt wurden Probleme angesprochen und Gefühle benannt. Und es gab starke, unabhängige Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen. Deborah begann davon zu träumen, eines Tages selbst eine dieser Frauen zu sein. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg, und Zwang und Gehorsam prägten ihre Pubertät. Mit 17 Jahren wurde Deborah an einen jungen Mann verheiratet, den sie ein einziges Mal vorher gesehen hatte. Vor der Hochzeit hörte sie das erste Mal in ihrem Leben von Sexualität und ihren Pflichten als Ehefrau. Sie lernte, dass sie in den zwei Wochen der Menstruation „unrein“ sei und ihren Mann auf keinen Fall berühren dürfe, da sie ihn sonst beschmutze. Bevor sie ihm in den darauffolgenden zwei Wochen zur Kinderzeugung zur Verfügung zu stehen habe, müsse sie sich im Badehaus, der „Mikva“, einer rituellen Waschung unterziehen, um wieder „rein“ zu werden. Als ihr Sohn Isaac auf die Welt kam, beschloss Deborah, aus diesem Gefängnis auszubrechen. Doch sie brauchte fünf Jahre dazu, besuchte heimlich eine Universität und begann, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Am Tag, als Deborah zusammen mit ihrem kleinen Sohn über die Brooklyn- Bridge ins „andere“ New York hinüberfuhr, wusste sie, dass sie nie mehr zurückkehren konnte und ihre Familie und Heimat für immer verloren hatte. Nach ihrer Abkehr von der orthodoxen Gemeinschaft, löste die Veröffentlichung ihres Buches „Unorthodox“ eine Schockwelle in der jüdischen Community aus. Seither lebt Deborah mit Morddrohungen. Mit 25 Jahren begann sie für sich und ihren kleinen Sohn, ein neues Leben aufzubauen. Deborah ist für viele orthodoxe Frauen, die einen Ausstieg planen, zur Hoffnungsträgerin geworden.

Leyla Hussein
Sexuelle Selbstbestimmung im fundamentalistischen Islam

Leyla wurde in Mogadischu in eine strengmuslimische Familie geboren und zählte zum kleinen Teil der Mädchen, die in Somalia eine Schule besuchen durften. Doch der höhere Bildungsstand ihrer Eltern schützten Leyla und ihre kleine Schwester nicht vor dem Tag, der ihr Leben und ihr Frausein für immer verändern sollte. Sie war 7 Jahre alt, als sie festlich gekleidet mit ihrer 3-jährigen Schwester von ihrer Mutter in das Haus einer Tante gebracht wurde. Die anwesenden Frauen sagten ihr, sie könne stolz sein, denn bald würde sie „Godneen“ erhalten und zu den richtigen „sauberen“ Mädchen gehören. Die schmerzerfüllten Schreie ihrer kleinen Schwester bohrten sich unwiderruflich
in Leylas Herz und Gedächtnis... In rund 30 afrikanischen und arabischen Staaten werden täglich, im Namen des Islam, Mädchen und Frauen ihres Lustorgans beraubt, obwohl es sich um einen vorislamischen, pharaonischen Brauch handelt. Über 200 Millionen Mädchen und Frauen leiden unter den lebenslangen Folgen dieses brutalen Eingriffs. Und jedes Jahr sind hunderttausende von Mädchen, auch in Europa, davon betroffen oder bedroht. Doch die meisten Frauen schweigen über die erlebte Gewalt und ihre Folgen. Auch Leyla schwieg. Auch nachdem sie als 12-Jährige mit ihrer Familie, nach dem Zusammenbruch des somalischen Zentralstaats, nach London geflüchtet war. Ihre Mutter wachte auch in der neuen Heimat streng darüber, dass ihre Töchter die rigiden Gesellschaftsnormen, der mit 150‘000 Mitgliedern größten somalischen Exilgemeinde Europas strikt befolgten. Leyla war eine gute Schülerin und heiratete, wie es die Tradition verlangte, mit 21 Jahren einen somalischen Landsmann. Die folgende Schwangerschaft ließ den Schmerz und das Trauma ihrer Kindheit wieder mit aller Macht aufleben. Die sonst fröhliche Leyla wurde depressiv und litt unter Todesängsten, konnte aber keine Erklärung dafür finden. Die Geburt ihrer Tochter verlief komplikationsreich, und erst kurz bevor Leyla nach Hause konnte, sprach eine Krankenschwester sie erstmals auf die erlittene Genitalverstümmelung an. Sie erklärte ihr, dass sie wahrscheinlich unter „Flashbacks“ leide, da sich ihr Körper an die erlittene Gewalt erinnere. Leyla fiel es wie Schuppen von den Augen. Endlich wusste sie, woher ihre anhaltenden Todesängste, ihre Depressionen und ihre unsäglichen Schmerzen stammten. Von diesem Tag an beschloss sie, der Female Genital Mutilation (FGM), den religiösen Dogmen und dem herrschenden Aberglauben hinter dieser grausamen Praxis den Kampf anzusagen. Leyla begann ein Psychologie-Studium und bildete sich zur Psychotherapeutin aus. Sie schloss sich mit anderen Aktivistinnen zur Organisation „The Girl Generation“ und der NGO „Daughters of Eve“ zusammen, um FGM und deren Folgen einer weltweiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und betroffene Mädchen und Frauen bei der Überwindung ihrer traumatischen Erlebnisse
und der Entwicklung einer eigenen, aufgeklärten Sexualität zu unterstützen. Die somalische
Powerfrau arbeitet zudem mit der spezialisierten Londoner Polizeieinheit „Project Azure“ zusammen, um bei Verdachtsfällen zum Schutz gefährdeter Mädchen zu intervenieren, denn FGM ist in England seit 1986 eine Straftat. Seit Leyla das Tabu des Schweigens gebrochen hat, ist sie in England auf viel Zustimmung und Unterstützung gestoßen. Sie wurde an die Downing Street eingeladen und erhielt
unzählige Auszeichnungen für ihr mutiges Engagement. Doch bisher ist es in England zu keinen und in anderen europäischen Staaten erst zu vereinzelten Verurteilungen wegen FGM gekommen. Deshalb ist eines von Leylas nächsten Etappenzielen, vor der UNO für eine wirksame Anwendung der Gesetze einzutreten, damit muslimische Mädchen in Europa endlich wirksam vor der schweren Körperverletzung geschützt werden. Leyla kämpft an zwei Fronten. Die Reaktionen von Leylas eigener Community waren und sind brutal. Von den fundamentalistischen Kräften ihrer Religionsgemeinschaft wird sie offen als Verräterin und Schande für den Islam angefeindet. Vermummte Männer griffen sie schon mehrmals tätlich an. Und immer wieder wird Leyla mit dem Tod bedroht. Seither trägt sie einen Alarm auf sich und hat zuhause drei verschiedene Sicherheitssysteme installiert. Zum Schutz für sich und ihre Tochter Fey, die sie nach der Scheidung von ihrem Mann alleine aufzieht und für die sie das Schweigen gebrochen hat. Denn Leyla hat sich
geschworen, dass diese Gräueltat ihrer Tochter niemals angetan werden darf. Leyla setzt sich
vehement gegen die islamistischen Kräfte in London ein, die auch in der somalischen Exilgemeinde immer mehr an Einfluss gewinnen und im Namen des Islams und seiner Sittengebote Mädchen und Frauen jedes Recht auf Selbstbestimmung absprechen.


ROKUDENASHIKO
Künstlerische Befreiung des weiblichen Körpers im Buddhismus

Rokudenashiko wurde in einer traditioneller japanischen Familie geboren und wuchs in einem Vorort Tokios auf. Ihre Eltern sind strenggläubige Buddhisten. Sie erzogen ihre Tochter im Glauben und lehrten sie die wichtigsten Eigenschaften einer japanischen Frau: Folgsamkeit dem Familienoberhaupt gegenüber, Beachtung traditioneller Aufgabenverteilung und Demut und
Unterordnung gegenüber dem Ehemann. Sexualität war in Rokudenashiko Elternhaus nie ein Thema. Aber Rokudenashiko lernte schon als junge Frau, dass weibliche Sexualität in der japanischen Gesellschaft ein Tabu ist und sich alles nur um männliche Potenz und Befriedigung dreht. In Japan, wo sich 85% der Bevölkerung zum Buddhismus bekennen, erfahren Frauen auch heute noch, vor allem in der Sexualität und in der Arbeitswelt, große gesellschaftliche Ungleichheiten. Die religiöse Rechtfertigung der Diskriminierung, die sich tief ins Bewusstsein der japanischen Bevölkerung eingeprägt hat, ist die nach japanisch-buddhistischer Lehre angeborene Unreinheit und Minderwertigkeit der Frau. Ihre Monatsblutungen sind nach buddhistischer Lehre ein Ausdruck des
schlechten Charakters der Frauen und der Sündhaftigkeit des weiblichen Körpers. Frauen können deshalb die Erleuchtung nur durch die Verwandlung ihres Körpers nach der Reinkarnation in einen Mann erlangen. So gibt es auch heute noch Tempel und heilige Berge in Japan, die von Frauen nicht betreten werden dürfen. Auch die Verbote für Frauen, in Restaurants Sushi zuzubereiten oder einen
Sumo-Ring zu betreten, rühren von der religiös begründeten Sündhaftigkeit ihres Körpers her. Trotz gesetzlicher Gleichstellung, lebt die Unterordnung der Frau unter den Mann im japanischen Alltag und auch in der Sexualität fort. Rokudenashiko lernte durch ihre ersten sexuellen Erfahrungen, dass sie als junge Frau unterwürfig und passiv sein muss. In Japan gilt ein Mädchen als „gut im Bett“, wenn sie keinerlei Regung zeigt. Ob sie dabei Spaß hat oder sogar einen Orgasmus, spielt keine Rolle. Weibliche Lust ist kein Thema. Rokudenashiko wagte es nicht, sich für ihre eigenen sexuellen
Bedürfnisse einzusetzen und schämte sich immer mehr für ihren weiblichen Körper und begann ihn zu hassen. Sie entschied sich deshalb zu einer „Schamlippen-Straffung“, einer heute unter jungen Frauen durch die Internetpornografie immer häufiger durchgeführten Operation im Intimbereich.
Rokudenashiko bereut die Verkleinerung ihrer Schamlippen heute sehr, da sie immer noch unter den Folgen des Eingriffs leidet. Doch diese gab ihr auch den Anstoß, sich das erste Mal wirklich mit ihrer Vagina, der weiblichen Sexualität in Japan und den neuen herrschenden Schönheitsidealen für junge
Frauen auseinanderzusetzen. Daraus entwickelte Rokudenashiko ein Projekt, das sowohl ihr Leben, wie auch ihr künstlerisches Schaffen völlig auf den Kopf stellte. Trotz des herrschenden Tabus, über Sexualität zu sprechen, sind Mangas mit sexuellem Inhalt und Pornografie in Japan enorm verbreitet. Sogar in der Metro wird öffentlich Werbung für Internet-Pornoseiten geschaltet. Dabei dürfen aber
auch in Pornos keine primären Geschlechtsorgane wie Vaginas, Schamlippen oder Penisse gezeigt werden, da dies in der japanischen Gesellschaft als obszön gilt. Um den weiblichen Körper aus dem Tabubereich von Scham, Passivität und Lustlosigkeit zu befreien, begann Rokudenashiko, die Kunst studiert hatte, Abdrücke von ihrer Vagina zu machen und nach ihrem Vorbild rosa und goldene Plastikfiguren in Vagina-Form mit einer gut sichtbaren Klitoris herzustellen. Farbige Figürchen wie Flammen oder Blumen, mit einem großen Gesicht und kleinen Beinchen und Armen, aber auch ganze
Vagina-Landschaften, die über ihren Blog „The Art of Vagina“ Verbreitung fanden. Ihre Eltern sprachen nie mit Rokudenashiko über ihre künstlerische Arbeit, da sich diese um das Tabu
Sexualität dreht. Rokudenashiko gehört als Aktionskünstlerin und Manga-Zeichnerin zu der immer grösser werdenden Zahl junger Japanerinnen, die auf eine Heirat und Kinder verzichten wollten, um ihre Berufstätigkeit und Unabhängigkeit zu bewahren. Obwohl auch im modernen Japan als höchster Lebenszweck einer Frau gilt, zu heiraten und Kinder zu gebären. Auf Wunsch des Ehemanns müssen viele junge Frauen ihren Beruf auch heute noch aufgeben, obwohl sie laut Premierminister Shinzo
Abe, die einzige Rettung für die stagnierende japanische Wirtschaft sein könnten. Im Frühling 2014 startete Rokudenashiko ein großes neues Projekt, bei dem sie mit Hilfe von Crowdfunding finanzielle Unterstützung für die Herstellung eines Kajak-Modells aus dem 3D-Drucker suchte, das ihrer Vagina nachempfunden werden sollte und mit dem sie den Sumida-Fluss im Herzen Tokios durchpaddeln wollte. Um damit Frauen Mut zu machen, ihren weiblichen Körper wertzuschätzen und ihre eigene Lust zu entdecken. Ihr Projekt fand große Unterstützung, und im Juli 2014 ruderte sie in ihrem 2 Meter langen „Vulva-Kanu“ durch Tokio. Doch bei ihrer Aktion wurde sie wegen „Erregen öffentlichen Ärgernisses“ verhaftet und kam, nach einem einschneidenden Monat Untersuchungshaft, erst aufgrund heftiger internationaler Proteste wieder frei. Rokudenashiko wurde daraufhin wegen „Obszönität“ angeklagt, da sie mit ihrem Kajak und den Vagina-Figürchen, die sie als Belohnung für die Unterstützung des Crowdfunding-Projekts verschickt hatte, die weiblichen Geschlechtsorgane öffentlich gemacht hatte. Die Anklage steht im Widerspruch zur Praxis der japanischen Penis-Festivals, bei denen gigantische Penisfiguren durch die Straßen getragen und gesegnet werden. Zudem werden überall penisförmige Eiscremes und andere Süßigkeiten zum Schlecken und Naschen angeboten.

Doris Wagner
Kampf gegen sexuellen Missbrauch im erzkatholischen Christentum

Für Doris Wagner war Gott seit frühester Kindheit der wichtigste Begleiter ihres Lebens. Ihre Eltern waren strenggläubige Protestanten, die in Gott und der Kirche für die arme, neunköpfige Familie Zuflucht und Trost suchten. Als die Familie zum Katholizismus konvertierte, war das für Doris ein schicksalhafter Wendepunkt. Mit 16 Jahren wusste sie, dass sie „den Richtigen“ gefunden hatte - sie wollte sich einzig Gott hingeben und sich mit Jesus auf ewig vermählen. In der erzkatholischen Ordensgemeinschaft „Das Werk“ in Österreich fand Doris ihre Berufung, und mit 19 Jahren, kurz nach dem Abitur, trat sie ins Kloster Thalbach in Bregenz ein, das enge Verbindungen mit Rom und dem Vatikan pflegt. Das Leben im Kloster war für Doris von der Arbeit in Küche und Wäscherei, täglichen Gebeten, Armut, Gehorsam und strengen Unterweisungen in die Klosterregeln geprägt. „Das Werk“ kennt keine Ordenstracht, aber sehr rigide Kleider- und Verhaltensvorschriften für alle Nonnen, da es eine gemischte Gemeinschaft ist. Und die Verantwortung für die Verhinderung von sexuellen Begierden und Übergriffen voll und ganz auf den Frauen lastet. Ganz im Sinn der
traditionellen katholischen Schöpfungs- und Sexualmorallehre, die alle Frauen, als Töchter Evas, zu Verführerinnen stempelt. Doris wurde eingebläut, dass ihr Körper von nun an nicht mehr ihr, sondern Gott gehöre. Nach einiger Zeit der „Formung“ mit körperlicher und geistiger Kontrolle und systematischer Entmündigung, wurde Doris zur Fortsetzung ihrer Klosterausbildung in die „Heilige Stadt“, nach Rom geschickt. Doch weder ihr tadelloses Verhalten noch die unförmigen Kleider
schützten die junge Nonne vor den zudringlichen Annäherungsversuchen des 20 Jahre älteren, untersetzten Paters und Hausvorstehers der Gemeinschaft. Doris wandte sich Hilfe suchend an die ihr zugeteilte Ordensschwester, doch anstelle von Unterstützung erfuhr sie Schuldzuweisungen und den strikten Befehl, sich von ihrem Vorgesetzten fernzuhalten! Der Pater verlangte daraufhin ein klärendes Gespräch in Doris Mansarde. Als er kam verschloss er die Tür und begann, sie schweigend auszuziehen. Doris war vor Schock wie gelähmt. Nach fünf Jahren gedrilltem Gehorsam ihren Vorgesetzten gegenüber und völliger Entmündigung, fand sie nicht genug Kraft, sich gegen den starken, schweren Mann zu wehren. Sie beschrieb die Vergewaltigung mit erschütternden Worten:
„Er machte immer weiter, während ich schon längst nicht mehr da war. In dieser Nacht drückte er den letzten Funken meines Selbst in den Staub und löschte es aus. Als er gegen drei Uhr endlich ging, liess er nicht mich zurück, sondern eine leere Hülle, ein Wrack.“ Die Vergewaltigungen hielten den ganzen Sommer an. Doch vor Scham und Schuldgefühlen wagte Doris es nicht, jemandem von ihrem Leiden zu erzählen. Doch Einsamkeit und Depressionen machten sich bei der 24-jährigen Nonne breit. Sie hatte immer öfter Selbstmordgedanken, und einzig ihr verzweifelter Glaube an Gott hielt sie am Leben. Erst Monate später, als die Missbrauchsskandale durch Priester in den USA und Europa an die Öffentlichkeit drangen und Doris darin ihre eigene Geschichte wiedererkannte, wagte sie es, trotz Schuld- und Schamgefühlen, die vorgesetzte Ordensschwester zu informieren. Doch diese wies der jungen Nonne die ganze Schuld und Verantwortung für die brutalen Übergriffe zu. Auch untersagte sie Doris aufs Schärfste, Anzeige gegen den fehlbaren Priester zu erstatten. Damit war das Thema erledigt, und Doris wurde mit ihren traumatischen Erfahrungen, ihren Schuldgefühlen und
ihrem Schmerz völlig allein gelassen. Sie versuchte verzweifelt, an der Religionsgemeinschaft festzuhalten, da sie sich trotz allem zur Nonne berufen fühlte und ihr Leben Gott weihen wollte. Erst zwei Jahre später schaffte sie endlich den Ausstieg. Psychisch und körperlich begann sich Doris nur langsam von den jahrelangen Erniedrigungen und Strapazen zu erholen. Trotzdem setzte sie ihr in Rom begonnenes Theologiestudium in Deutschland fort, wo sie sich erstmals auch kritisch mit der
katholischen Heilslehre auseinanderzusetzen begann. Doch der Druck der Religionsgemeinschaft auf die ehemalige Nonne, über die Vorfälle zu schweigen, hielt auch nach ihrem Austritt unvermindert an. Erst ein Jahr später wagte es Doris, ihren Eltern zu erzählen, was ihr widerfahren war. Diese unterstützten ihre Tochter dabei, Anzeige gegen ihren Peiniger in Deutschland und Österreich zu erstatten. Doch die Gerichte stellten das Verfahren ein, da sich Doris „zu wenig gewehrt habe“ und der fehlbare Pater behauptet hatte, die sexuellen Übergriffe seien „im gegenseitigen Einverständnis“ geschehen. Doch sah sich der Vatikan durch den öffentlichen Wirbel gezwungen, eine außerordentliche päpstliche Visitation der geistlichen Familie „Das Werk“ anzuordnen, die auch nach dem Rücktritt von Papst Benedikt noch im Gang ist und auf die Doris, nun unter Papst Franziskus, große Hoffnungen setzt. Doch bis heute wurden keine Resultate bekannt. Nach ihrem Austritt hat Doris begonnen, nach ehemaligen Mitgliedern ihrer und anderer erzkatholischer Religionsgemeinschaften zu suchen, die das Gleiche erlebt hatten. Sie stieß auf viele betroffene Frauen und Männer und schloss sich der Selbsthilfegruppe „AVREF“ an. Doris veröffentlichte ein Buch über ihre Erlebnisse unter dem Titel „Nicht mehr ich“, um junge Menschen vor den Abhängigkeiten und Abgründen in kirchlichen Gemeinschaften, die zu sektenähnliche Strukturen aufweisen, zu warnen. Durch ihr Buch hat Doris Wagner zur Anpassung des Deutschen Strafgesetzbuches beigetragen, das heute psychische Abhängigkeiten oder eine mögliche „Schockstarre“ mitberücksichtig. Doris Ziel ist es auch, Betroffenen Mut zu machen, sich zu wehren. Ein ehemaliger Klosterbruder, der aus Protest gegen das Totschweigen des Missbrauchs die Religionsgemeinschaft ebenfalls verlassen hatte, erwies sich für Doris als wichtigste Stütze auch außerhalb der Klostermauern. Die beiden haben geheiratet und im Februar 2015 kam ihr erstes Kind zur Welt. Doris wandte sich auch an Papst Franziskus, um von ihm persönlich eine Veränderung im Umgang mit Missbrauchsopfern und eine Entschuldigung von kirchlicher Seite zu erwirken.

Vithika Yadav
Sexuelle Befreiung im ultra-nationalistischen Hinduismus

Vithika wuchs als Mädchen in einer traditionellen hinduistischen Familie im nordindischen Rajasthan auf. Von klein auf lernte sie, keinem Mann in die Augen zu schauen und sich nie allein auf die Strasse zu wagen. Doch alle Verhaltensregeln, die Vithika von ihrer Mutter eingetrichtert wurden, schützten sie nicht vor dem, was der überwiegenden Mehrheit der indischen Mädchen und Frauen täglich widerfährt: „Eve-teasing“, „Eva hänseln“, nennen es die indischen Männer. Damit ist die sexuelle Belästigung von Mädchen und Frauen gemeint. Mit 12 Jahren wurde Vithika das erste Mal während dem Spielen von einem Mann sexuell belästigt. Er griff ihr an die Brüste, und sie wagte es nicht, sich zu wehren, geschweige denn, jemandem davon zu erzählen. Zwei Jahre später passierte es ihr nochmals, als sie mit ihrem kleinen Bruder auf dem Heimweg war. Vithika schwieg, aber die Übergriffe hinterließen tiefe Spuren bei ihr. Sie begann sich dafür zu hassen, ein Mädchen zu sein. In Indien ist Sexualität ein absolutes Tabu-Thema. Über keinen Aspekt der Sexualität darf in der indischen Gesellschaft oder Familie aufgrund strenghinduistischer Sittengebote gesprochen werden. Indische Jugendliche erhalten keinerlei Aufklärung. Es herrscht eine Tradition des eisernen Schweigens. Auch über Vergewaltigungen, die in Indien alle zwanzig Minuten geschehen. Denn in der patriarchalen indischen Gesellschaft gilt ein missbrauchtes Mädchen oder eine vergewaltigte Frau nicht als Opfer, sondern als „entehrt“ und bringt damit „Schande“ über die Familie. Dafür wird sie oft verstoßen. Oder sogar umgebracht. Vithika hatte Glück. Obwohl ihre Eltern mit ihr nie über Sexualität gesprochen oder sie aufgeklärt hatten, legten sie großen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Tochter. Vithika war eine ausgezeichnete Schülerin, sie studierte Geschichte und Soziologie und wollte Polizistin werden. Doch im Rahmen ihres Soziologiestudiums kam sie mit der brutalen Realität des indischen Mädchenhandels in Kontakt, und der Kampf dagegen wurde zu ihrer Berufung. Sie begann als UNO-Beraterin gegen Menschenhandel in Indien zu arbeiten und schloss sich der weltweit tätigen NGO „Free the Slaves“ an. In der Arbeit mit den betroffenen Mädchen wurde sich Vithika auch immer stärker bewusst, wie wichtig sexuelle Aufklärung und das Sprechen über sexuelle Tabus ist. Bis dahin hatte Vithika als junge Frau versucht, sich möglichst unsichtbar zu machen, da sie nach dem Übergriff in ihrer Jugend Angst hatte, mit ihrem Körper Schande über ihre Familie bringen zu können. Deshalb negierte sie ihn völlig. Doch mit 20 Jahren verliebte sie sich einen ehemaligen Mitschüler. Und mit ihm lernte sie langsam, ihren weiblichen Körper zu akzeptieren und sich auch für Sexualität zu interessieren. Aber sie hielten ihre Beziehung lange geheim, denn er stammte aus einer höheren Kaste und Liebesheiraten sind in Indien verpönt. Vithika ging in ihrer Arbeit so auf, dass sie trotz dieser Bekanntschaft nach Washington zog, um ihr Engagement gegen den Mädchenhandel noch zu intensivieren. Mit 23 Jahren kehrte Vithika nach Indien zurück und brach das Tabu des Schweigens. Sie und ihr Partner stellten sich gegen die gesellschaftlichen Normen und gaben ihre skandalöse Liebesheirat über die Kastengrenzen hinweg und gegen den erbitternden Widerstand ihres Umfelds bekannt. Und Vithika begann, allen hinduistischen Sittengeboten zum Trotz, öffentlich über Sexualität zu sprechen. Vithika ist überzeugt, dass die Enttabuisierung der Sexualität das einzige Mittel ist, um die epidemische Verbreitung sexueller Übergriffe und die Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Indien zu bekämpfen. Und die gesellschaftliche Diskriminierung und Verachtung der Frauen damit zu durchbrechen. Vithika gründete in Delhi zusammen mit der Unterstützung von Radio Netherlands Worldwide „Love Matters“, das erste Sexualaufklärungsprojekt auf Englisch und Hindi im Internet. Neben allen Informationen über den weiblichen und den männlichen Körper und zu Sexualität und Verhütung, beantworten die fünf Macherinnen und zwei Macher auch alle anonymen Fragen rund um die Themen Sex, Liebe und Partnerschaft. Vor der Gründung von „Love Matters“ lieferten Pornofilme die einzigen Suchresultate auf Hindi zum Stichwort „Sex“. In Bollywood-Filmen ist Küssen immer noch strikt verboten, aber Vergewaltigungsszenen fallen der indischen Filmzensur nur selten zum Opfer. Der Internetporno-Konsum mit Suchwörtern wie „animal“, „child“ und „rape“ gehört laut Google in Indien zu einem der höchsten der Welt. Vithikas Aufklärungsprojekt gewann 2013 den Preis für „Excellence & Innovation in Sexuality Education“ der Weltorganisation für sexuelle Gesundheit. Doch in Indien löste „Love Matters“ einen Skandal aus. Die junge Aktivistin und Mutter eines 8-jährigen Sohnes wird öffentlich als Hure beschimpft und erhält Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Extreme Hindu-Nationalisten setzen alles daran, Vithika einzuschüchtern und sie zur Schließung ihrer sündhaften Website und zur Aufgabe ihres „unmoralischen“ Projekts zu zwingen. Doch Vithika lässt sich dadurch nicht davon abhalten, mit ihrer mutigen Arbeit und ihren geplanten Aktionen die Diskussion über Sexualität, Liebe und Gleichberechtigung in der indischen Öffentlichkeit weiter voranzubringen und so auch der sexuellen Gewalt entgegenzutreten.